Auf dem Jakobsweg nach Waldstatt

Leicht ist der Weg von St.Gallen nach Waldstatt mit dem ÖV oder dem PW zu schaffen. Doch wählt man den Jakobsweg und legt diesen per Pedes zurück, dauert es etwas länger. So geschehen bei der Durchführung des zweiten Teilstückes des „Pilgerns auf dem Jakobsweg“ am 23. Juni, das in vier Teilstücken von Martina Gassert, Pfarreibeauftragte in der Pfarrei Steinach und dem Pastoralen Mitarbeiter Armin Fässler organisiert und durchgeführt wird.

Was die Anzahl der Teilnehmenden anbelangt war zweifellos kein Staat damit zu machen. Doch was bedeutet die Anzahl Teilnehmende bei einem Gang auf dem Jakobsweg? Zweifellos kann diese für die organisierenden Personen ein Lohn für die Bemühungen bei den Vorbereitungsarbeiten sein. Doch letztlich schmälert dieser allenfalls negative Aspekt das Erlebnis des Tages nicht.

Annähernd 15 Kilometer führte die Etappe des Jakobsweges die sieben teilnehmenden Personen vom St.Galler Hauptbahnhof nach Waldstatt. Es ist eine Wegstrecke, die trotz hohem Bekanntheitsgrad immer wieder Neues, Unbekanntes oder Unerwartetes hervor bringt. Und einen Teil zur perfekten Planung trägt das Handy bei. Etliche Orte setzten Akzent und diese wurden von Martina Gassert oder Armin Fässler stets aufgenommen und mit einigen begleitenden Gedanken ergänzt. So auch die Kirche St.Othmar und die Kapelle Maria Einsiedeln. Hier konnte die Gruppe, ergänzend zu den Gedanken von Martina von Pfarrer Alfons Sonderegger, ehemals Geistlicher in der Pfarrei St.Othmar, Wissenswertes über diese beiden Gotteshäuser erfahren.

Beim Überqueren der Sitter, auf dem SBB-Viadukt, wird Energiegewinnung sehr schnell zum Thema. Kraftwerk Kubel, Energie benötigt man, um Grenzen zu überwinden, um Getrenntes wieder zu verbinden. Und beim Weiterwandern kehrte Stille ein, jeder ist für sich, die Wegstrecke hinauf zum Gübsensee bietet sich dafür an. „Lass mich langsam gehen, Gott, entlaste das eilige Schlagen meines Herzens durch das Stillwerden meiner Seele.“

Auch die Mittagspause am Ufer des Gübsensees war Themen bezogen. Für den Mitwanderer Stefan hatte seine Anwesenheit eine besondere Bedeutung. Er bereitet sich für die Wanderung auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela vor. Von Martina Gassert konnte er von den gemachten Erfahrung und Erlebnissen profitieren. Welches Thema passte besser in diese Runde? Die Gruppe verpflegte sich aus dem Rucksack und das Jakobswegambiente lag in der Luft. Dieses Gefühl wurde beim Anblick verschiedener Infotafeln auf dem Weg nach Herisau vertieft, der Jakobsweg war hier tatsächlich präsent.

Mit dem Aufstieg nach Herisau, vorbei am Friedhof mit der Kapelle, führte der Weg direkt ins Zentrum der Ortschaft zur evangelischen Kirche. Die heutige spätgotische Kirche wurde in den Jahren 1516 bis 1520 erbaut und damals vom Bischof von Konstanz eingeweiht. (Unmittelbar vor der Reformation). Dazu gab Armin Fässler einige Erläuterungen, bevor es im Oberdorfcafi den lang ersehnten Kaffee und einige Süssigkeiten gab.

Nun bot sich den Jakobswegwandernden die Gelegenheit, das Appenzellerland aus nächster Nähe kennenzulernen. Mit dem Aufstieg zum Nieschberg war der höchste Punkt der Wanderung geschafft. Dort fasste die Gruppe den Entschluss, auf den Rest des vorgesehenen Weges zum Säntisblick zu verzichten, dies aus Zeitgründen. Der Marsch hinüber zur Geisshalde oberhalb von Waldstatt bildete den Abschluss des Tages auf dem Jakobsweg. Vor herrlicher Kulisse, mit dem Alpstein vor Augen, fand der Tag mit dem Segensgebet seinen offiziellen Abschluss.

”Gott segne deinen Weg
die sicheren und die tastenden Schritte
die einsamen und die begleiteten
die grossen und die kleinen.
Gott segne Deinen Weg
mit Atem über die nächste Biegung hinaus
mit unermüdlicher Hoffnung
die vom Ziel singt,
das sie nicht sieht
mit dem Mut,
stehen zu bleiben
und der Kraft, weiter zu gehen.“
(Katja Süss)

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