Ein Gottesdienst im Alpstein

Wer über zwei Stunden für den Besuch eines Gottesdienstes den Berg hinauf geht, tut dies bewusst. So geschehen Anfangs Juli für den Besuch der Eucharistiefeier auf der Meglisalp im Alpstein, gelegen auf 1520 Metern über Meer. Vorbreitet vom Pfarreirat, von Präsident Walter Ryffel und Marcello Correia, begaben sich etliche Gläubige von der Pfarrei Steinach in Richtung Innerrhoden auf den Weg, um am Sonntagnachmittag dem Gottesdienst beizuwohnen. Der Weg über den Seealpsee und hinauf zur Meglisalp forderte von ihnen einiges ab. Zum Namen Meglisalp: Nach einer alten Sage gehörte die Hälfte der heutigen Alp Meglisalp einem beliebten Sennen namens Meggelin, der später sogar zum Landammann gewählt wurde. Josua, der andere Senn, wollte Meggelin aus Missgunst vertreiben und bot einer finsteren Gestalt die obere Hälfte der Alp an, falls ihm diese bei der schändlichen Tat helfe. Meggelin vermochte jedoch mit Hilfe gutmütiger Zwerge den Fluch abzuwenden. Der Name von Meggelins Alp blieb der Meglisalp bis heute erhalten.

Nach dem Aufstieg wartete das Mittagessens als Belohnung auf die Beteiligten, entweder in Form eines Imbisses aus dem Rucksack oder dem Mittagessen im Gasthaus Meglisalp. Der Gottesdienst begann um 14 Uhr, da war noch genügend Zeit vorhanden, um sich zusätzlich zur mittäglichen Verpflegung noch mit etwas Süssem und einem Kaffee zu stärken.

Insider wissen, dass der Gottesdienst nicht in der Kapelle stattfindet, sondern auf der Westseite ein Altar steht und für die Gläubigen Bänke (mit Sitzkissen) aufgestellt werden. Eine Eucharistiefeier in Gottes freier Natur, das Benützen der Bänke ist nicht bindend. Auch die zahlreich um die Kapelle platzierten Felsbrocken können als Sitzgelegenheit benutzt werden. Während der Alpzeit wird auf der Meglisalp in der Kapelle «Maria zum Schnee» jeden Sonntag um 14 Uhr Heilige Messe gefeiert. Die Kapelle wurde übrigens in den Jahren 1903/1904 auf Initiative von Pfarrer Räss nach Plänen von Architekt Holderegger erbaut und der Heiligen Mutter Gottes geweiht.

Zum Beginn der Messe läutete nicht nur die Kapellenglocke, etwas dezenter war auch das Gebimmel der Kuhglocken präsent, die auf diesem Stück Land oberhalb dem Seealpsee für das richtige Ambiente sorgen. Für Pfarrer Josef Fritsche, der gemeinsam mit seinen Helferinnen den Gottesdienst zelebrierte, war die Anwesenheit der Steinacherinnen und Steinacher eine Freude. „Denn hämer gaad no a paar Lüüt mee“, meinte er strahlend und begrüsste die Gruppe zum Beginn der Messe. Er ist unter anderem tätig in der Kapelle auf der Meglisalp, ist zuständig für die Pfarrei Gonten und teils auch in benachbarten Pfarreien. Nach einem Arbeitsleben im Bistum Chur kehrte er aufs Pensionsalter wieder in seine Heimat zurück, ins Innerrhodische. Über seine Rückkehr nach Appenzell sprach er im Zusammenhang mit dem Markus-Evangelium. Ging es um die Akzeptanz eines Lehrers, über das Miesmachen durch „bessere Herren“, das Erkennen von menschlichen Qualitäten. Ereignet hatte sich das Geschehene in Nazareth. Er zog Parallelen zu seiner Rückkehr in die Heimat nach 40 Jahren Seelsorgetätigkeit in der Innerschweiz. Es beschäftigte ihn, ob er vom eigenen Volk wieder angenommen, ob er akzeptiert werde. Er erinnerte sich an die Worte Christi: „Wenn sie mich verfolgt haben, werden sie auch Euch verfolgen. Wenn sie an meinem Wort festgehalten haben, werden sie auch an Eurem Wort festhalten.“ In diesem Sinner richtete er sich an die Anwesenden, selber an einer glaubwürdigen Kirche mitzubauen.

Das Erleben des Gottesdienstes bei der Kapelle «Maria zum Schnee», die Wanderung hinauf auf die Meglisalp und das Zusammensein, die Gemeinschaft beim anschliessenden Höckle im Berggasthaus waren wohl in jeder Beziehung positive Momente, die die Gemeinschaft stärken und ein gegenseitiges Näherrücken fördern. Die teilnehmende Gruppe war zwar nicht sehr gross, doch dürften alle Mitgekommenen auf ein schönes Erlebnis zurückblicken. (he. 09.07.2018)

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